Zeitloses Wissen für die Erneuerung der Gesellschaft
Die Energiewende, Stuttgart 21 und andere Protestbewegungen sind nach unserer Meinung Anzeichen eines sich im Hintergrund anbahnenden grundlegenden gesellschaftlichen Wandels. Die Bürger wollen aus Enttäuschung etwas Anderes, Neues, nicht mehr die Fortschreibung des Status quo mit all seinen Problemfeldern und immer heftigeren Krisenszenarien, jedoch ohne klare Vorstellungen über das Neue zu haben und wie dies zu erreichen ist.

In dieser Situation stellt sich die Frage, kann die westliche geistige Tradition aus den Erfahrungswerten der Vergangenheit wegweisende Hinweise geben und die östliche Tradition aus ihrem Wissen zur Lösung beitragen? Die Antwort ist überraschend, beide Kulturkreise kennen einen Bereich der Einheit, eine 2. Dimension, die die vordergründige Welt ordnet und strukturiert. Sie ist die Grundlage allen Seins, und der ständige Rückbezug dorthin die elementare Lebensaufgabe zur Bewältigung existenzieller Probleme.

Platon spricht von der Welt der Ideen, einer geistigen Weltordnung, aus der heraus die Welt der Dinge entsteht und erläutert seine Einsicht mit seinem bekannten Höhlengleichnis. Meister Eckehart bezeichnet diese andere Dimension als ungenaturte Natur. Kant sagt in seiner "Kritik der reinen Vernunft" im Untertitel "Von dem Transzendentalen Ideal": "Also ist es ein transzendentales Ideal... auf welches alles Denken der Gegenstände überhaupt ihrem Inhalt nach zurückgeführt werden muss." Hegel bezeichnet diese transzendentale Wirklichkeit als "der Geist, die Idee, im reinen raum- und zeitlosen Zustand des An-und-für-sich-Seins". Und Schopenhauer bestätigt dies in seinem Werk "Die Welt als Wille und Vorstellung" mit der Aussage: "Hinter unserem Dasein nämlich steckt etwas Anderes, welches uns erst dadurch zugänglich wird, dass wir die Welt abschütteln."

Keiner der Zitierten gibt jedoch eine einfache, in die tägliche Realität umsetzbare Erklärung ab, wo und wie dieses hohe Ziel des ständigen, unsere Existenz sichernden Rückbezugs dorthin realisiert werden kann. Die "Aufklärung" formulierte es mit " Zurück in die Ordnung der Natur im Menschen". Und Goethe sagte in seinem "Vermächtnis:" "Sofort nun wende dich nach innen, das Zentrum findest du da drinnen, woran kein Edler zweifeln mag, wirst keine Regel da vermissen."

Kant und weite Teile der "Aufklärung" wollten den Rückbezug dorthin mit der Ratio bewerkstelligen, fanden dafür aber keine Methode für eine kulturrelevante Breitenanwendung. Es blieb so dem individuellen Weg der eigenen Vollendung überlassen, der eigenen Selbstverwirklichung wie wir heute sagen. Schiller fand die Transformation in der Ästhetik des Wahren und Schönen und als Mittel die Reflexion darüber, ohne diese im Einzelnen zu beschreiben. Siehe seine "Ästhetischen Briefe", insbesondere Brief 4, mit der grundsätzlichen Aussage: "Jeder individuelle Mensch, kann man sagen, trägt der Anlage und Bestimmung nach, einen reinen, idealen Menschen in sich, mit dessen unveränderliche Einheit in allen seinen Abwechslungen übereinzustimmen, die große Aufgabe seines Daseins ist". Und er dichtete in "Die Worte des Wahns"... "Was kein Ohr vernahm, was die Augen nicht sahn, es ist dennoch das Schöne, das Wahre! Es ist nicht draußen, da sucht es der Tor, es ist in dir, du bringst es ewig hervor.“ Ein bereits genialer Mensch, dem dieser originäre Rückbezug ohne besondere Methode möglich war. Und Hermann Hesse formulierte in seinem Gedicht "Bücher": Alle Bücher dieser Welt bringen dir kein Glück, doch sie weisen dich geheim in dich selbst zurück, dort ist alles was du brauchst, Sonne, Stern und Mond, denn das Licht nach dem du frugst, in dir selber wohnt". Und seinen "Siddhartha" lässt er durch die östliche Methode der Meditation Vollendung - Erleuchtung nach dem östlichen Sprachgebrauch - finden.

Der Neuhumanismus unter Wilhelm von Humboldt verwies vor ca. 200 Jahren auf die hellenistische und vedische Hochkultur, um deren tragenden Erfolgskriterien zu erkennen und in die Neuzeit zu übertragen und zeitgemäß anzuwenden. An zahlreichen deutschen Hochschulen wurden damals Lehrstühle der Indologie eingerichtet, die meist heute noch existent sind. Eine rasante und faszinierende Entwicklung der Technik hat diesen viel versprechenden Ansatz aus der öffentlichen Wahrnehmung verdrängt und den materiellen Aspekt weit in den Vordergrund gerückt. An den Neuhumanismus gilt es heute wieder anzuknüpfen, und die Balance zwischen materiellem Fortschritt und geistiger Entwicklung wieder herzustellen.

Teil des vedischen Wissens ist der Yoga - Vereinigung mit dem Bereich der Einheit, die in unserem Bewusstsein latent vorhanden und dort aktivierbar ist - der neben den im Westen, insbesondere auch in Deutschland populär gewordenen Körperübungen (Hatha Yoga) als essenziellen Teil der Vereinigung die Meditation (Dhyana Yoga) anspricht. Zwar werden in den einschlägigen Texten Hinweise gegeben, jedoch die anzuwendenden Techniken und ihr Know-how entstammen mündlicher Überlieferung, insbesondere in ihrer authentischen Form in der Jahrtausende alten Tradition der Vedischen Meister, die seit Menschengedenken nur in kleinstem Kreis weitergegeben wurde, und erst in den 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts von ihrem letzten Vertreter Maharishi Mahesh Yogi zur geistigen Erneuerung der Welt wieder einer breiten Öffentlichkeit verfügbar gemacht wurde.

Die Grundtechnik ist die Transzendentale Meditation (TM), von Maharishi so genannt, weil sie die Transformation in die 2. Dimension der Einheit und deren Aktivierung in unserem Bewusstsein ermöglicht.

Unsere Bürgerinitiative setzt sich auf diesem geistigen Hintergrund, in dem sich in einem globalen Zeitalter westliches und östliches Denken glücklich ergänzen und in ihren Grundaussagen vereinen, für die "grundlegende Erneuerung unserer Gesellschaft durch Integration in die Ordnung der Natur" ein. Die Vision einer „Idealen Gesellschaft“ kann so nüchterne Realität werden. Das in jüngster Vergangenheit mächtig gewachsene Umweltbewusstsein und die steigende Attraktivität von Yoga mit seiner körperlichen Komponente für Millionen von Mitbürgern werden die Garanten des Erfolges sein.

Carl Friedrich von Weizsäcker, Physiker und Philosoph, hat die vorliegende Betrachtung überzeugend auf den Punkt gebracht: "Die abendländische Kultur ist mehr von der Reflexion, die asiatischen Kulturen sind mehr von der Meditation bestimmt. Die Begegnung beider erscheint mir manchmal als das eigentliche weltgeschichtliche Ereignis der gegenwärtigen Jahrhunderte."

Das Zusammenfinden beider Kulturkreise in einer globalisierten Welt wird zum entscheidenden Kriterium und grundlegenden Ansatzpunkt eines dynamischen Neuanfangs. Denn damit wird unsere reiche abendländische Geistesgeschichte mit einem sehr effizienten Realisierungsprinzip verbunden, die Strukturprinzipien der allem zugrunde liegenden Einheit unserer Handlungsebene sukzessive verfügbar gemacht. Dadurch ist der Vorwurf entkräftet, für die Gegenwartsprobleme keine pragmatischen Lösungsansätze verfügbar zu haben und weitgehend nur emotionale Schöngeisterei und philosophische Spekulation zu betreiben.

Die dringend erforderliche Balance zwischen materiellem Fortschritt und geistiger Entwicklung wird damit wieder hergestellt mit dem klaren Ziel, ganz konkret die Integration in die Grundordnung der Natur herzustellen und so die Forderung der „Aufklärung“, „Zurück zur Ordnung der Natur im Menschen“ zu erfüllen.